1848 - 1914

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Westendorf eine Gastwirtschaft Hillmer, die später von Heinrich und Sophie Ahrens übernommen wurde. Dort trafen sich regelmäßig Westendorfer und Winkelhäuser Bürger zum Gedankenaustausch beim Dämmerschoppen. Hier sind sicherlich auch die ersten Überlegungen angestellt worden, das "Westendorfer Schützenkorps", wie es sich damals nannte, zu gründen.

Als erste Vereinsmitglieder sind überliefert: Jakob Wrigge, Heinrich Wrigge, Heinrich Gödicke, Georg Bahrenscheer, Heinrich Stege, Altzimmermeister Willi Schröder, Altschuhmachermeister Georg Röhrs, Christoph Wrigge, Karl Scheling, Fritz Gebers, Heinrich Schröder, Heinrich Beckmann. Bald schlossen sich Bürger aus Fischendorf, Charlottenthal, Düshop und Brock an.

1868 wurde der 1. Vorsitzende und Hauptmann Heinrich Lüderitz - später Schaaksvater genannt - Schützenkönig.

1897 trennten sich die Fischendorfer von den Westendorfern und gründeten einen eigenen Schützenverein. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, als die deutsche Sprache sich mehr und mehr verfestigte, verschwanden auch französische Lehnworte: Die Westendorfer waren kein Schützenkorps mehr, sondern ein Schützenverein. Beim Königs- und Preisschießen wurden Vorderlader mit großem Kaliber verwendet.

1919 - 1936

Erst im März 1919 dachte man an das Wiederaufleben des alten Schützenwesens. 49 Mitglieder sorgten für die Fortführung der Tradition. Unser Schützenverein übernahm die Fahne des Arbeitervereins, der sich aufgelöst hatte, weil dessen Mitglieder in die neu organisierten Gewerkschaften übertraten.
Während der Inflation in den Jahren 1922 und 1923 wurden bis zu 420.000 Mark für die Schützenfestmusik ausgegeben. Die Vereinsausgaben betrugen in dieser Zeit schwerster Inflation 1.258.000 Mark. Nach der wirtschaftlichen Stabilisierung wuchs die Mitgliederzahl auf 140 an.

Die alte Westendorfer Fahne ist die älteste Traditionsfahne, die in der Gemeinde Dorfmark geführt wird. Sie wurde 1920 auf dem Gutshof des alten Westendorfer Schlosses, dem jetzigen Atlen-und Pflegeheim Landratenhof, geweiht. Zugleich feierten die Westendorfer Schützen nach 5-jähriger Pause erneut Schützenfest, Erntefest und als Wintervergnügen den Jägerball.
Als im Jahre 1928 die politische Gemeinde Westendorf mit Dorfmark vereinigt wurde, beharrten die Westendorfer auf ihren Schützenverein. Doch ab 1933 wehte ein anderer Wind. Dem NS-Staat genügte es nicht, alle politischen Gegner auszuschalten, er bezog auch die unpolitischen Schützenvereine in sein System ein. 

Viele Schützenbrüder konnten sich nicht so recht auf den nationalsozialistischen Geist umstellen. Statt mit "Heil Hitler" grüßten sie weiterhin mit "moin,moin". Das war nun eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Um diesen Schützen eine Erziehungslektion zu verabfolgen, zettelten Angehörige der SA-Führungsschule Achterberg beim Schützenfest 1935 in der Gaststube Ahrens eine Schlägerei an, nachdem sie vorsorglich die beiden Gendarme im Klubzimmer eingesperrt hatten. Zur gleichen Zeit zeichnete sich eine "Rivalität" zum Dorfmarker Schützenkorps ab. Deutlich wurde das durch einen "Zoll" in Höhe von rd.10 Mark, der beim Betreten Dorfmarker Hoheitsgebietes, ostwärts der Böhme, auf der Böhme-Brücke erhoben wurde.
Zu den "Unbelehrbaren" gehörte auch der damalige Vereinsführer, so wurde der Vorstand jetzt bezeichnet - streng nach dem Führerprinzip. Er -das war Heinrich von Loh - hatte bei der Schlägerei mit den SA-Leuten aus Achterberg sich kräftig seiner Haut gewehrt. Kurzerhand setzte der Beauftragte des Reichssportführers für den Gau Niedersachsen den Vereinsführer aufgrund einer Verleumdung ohne jede Nachprüfung ab.
Um das Vereinsleben zu retten, übernahm ein Parteigenosse den Posten des Vereinsführers. Doch zu spät - der Verein passte einfach nicht in das Bild des NS-Staates. Mit Verfügung vom 28.Mai 1936 löste der Landrat in Fallingbostel den Verein mit sofortiger Wirkung auf. So einfach war das damals, sich unbescholtener Bürger und Vereine zu entledigen. Die Westendorfer mussten sämtliches Vereinseigentum, die Königskette und die alte Westendorfer Fahne von 1909 an die politische Gemeinde Dorfmark abgeben. In den Herzen vieler Westendorfer lebte der Schützenverein jedoch weiter, auch über den 2. Weltkrieg mit seinen schrecklichen Opfern hinaus.


Als in der Zeit nach 1945 die Kriegsängste überstanden waren, erinnerten sich die alten Westendorfer ihres Schützenvereins. Im Sommer 1953 beschlossen 48 alte und neue Mitglieder, den Verein wiederzugründen. Das war Ausdruck einer allgemeinen Sehnsucht, wie man beim ersten Ummarsch beglückt erfahren konnte. Die Ortsteile Westendorf und Winkelhausen prangten Haus um Haus im Schmuck von Fähnchen, Girlanden und frischem Grün. Das erste große Fest war das Erntefest 1953.

 

Schützenverein Westendorf wiedergegründet

Dorfmark. In einer Generalversammlung der früheren Angehörigen des alten Westendorfer Vereins wurde der "Schützenverein Westendorf von 1868" wieder ins Leben gerufen. 35 Anwesende trugen sich an diesem Abend in die Mitgliederliste ein. 1. Vorsitzender ist Hermann Marquardt, sein Stellvertreter wurde Hermann Johannes jun. Das Amt des Schrift-und Kassenführers wurde Karl Gellneck übertragen. Zu seinem Stellvertreter wählte man Karl Hellwinkel. Die Satzungen von 1908 bilden die Grundlage für das zukünftige Vereinsleben. Am 9. Oktober soll die erste Veranstaltung, ein Ernteball, bei Gastwirt Ahrens gestartet werden.

Mit der Vereinsgründung begann der Papierkrieg um die Traditionsfahne. Das Schützenkorps in Dorfmark, das sich schon im Jahre 1949 wiedergegründet hatte, führte bei seinen Festlichkeiten auch die alte Westendorfer Fahne mit.
Das war bis zum Jahre 1953 in Ordnung, weil eine ganze Reihe ehemaliger Westendorfer Schützen sich dem Schützenkorps Dorfmark angeschlossen hatte.

Verständlicherweise waren diese Schützen wie auch die Vereinsführung des Dorfmarker Schützenkorps im Jahre 1954 nicht so ohne Weiteres zu bewegen, die Fahne dem aufgelebten Westendorfer Verein herauszugeben. Dann folgten, um die Fahne wiederzubekommen, Eingaben an die Kreisverwaltung, an den Regierungspräsidenten, an den Innen -und den Finanzminister in Hannover mit diversen Dienstaufsichtsbeschwerden -alles war vergeblich, das Schützenkorps Dorfmark blieb Eigentümer der Fahne, überließ sie jedoch den Westendorfern leihweise für ihre Feste.

Erst der Amtsrichter in Walsrode sorgte nach knapp einjährigem Prozess durch einen salomonischen Vergleich dafür, dass wegen der Fahne das Kriegsbeil begraben wurde. Das Schützenkorps Dorfmark hatte die Fahne an uns herauszugeben, jedoch das Recht, die Fahne beim eigenen Schützenfest und Schützenball in Dorfmark zu führen. 1983 begruben die beiden Vereinsvorstände dann schließlich in einer öffentlichen Feierstunde auf dem Pastoren-Eichhof das alte Kriegsbeil, und die umstrittene Fahne wurde wieder Eigentum des Schützenvereins Westendorf.

1968 wurde unter Beteiligung von 15 benachbarten Schützenvereinen und mehreren Spielmannszügen auf dem ehemaligen Gutshof des früheren Westendorfer Schlosses mit vielen hundert Schützen das 100-jährige Jubiläum gefeiert. Festreden hielten der damalige Landrat Dr. Hermann Neddenriep, der Vizepräsident der Niedersächsischen Schützen Gerhard Pickard, Bürgermeister Wilhelm Hekter und Alfred Dralle.

Gut 20 Jahre später - während der Vorbereitungen auf das 125-jährige Jubiläum des Schützenvereins - stießen die beiden "Heimatforscher" Georg Allermann und Adolf Dohmeier von der Archivabteilung des Verkehrsvereins Dorfmark beim Studium alter Akten und Urkunden über die Dorfmarker Ortsgeschichte auf ein "Cassabuch" der Westendorfer Schützen, das von 1908 bis 1936 geführt wurde. Sie stellten es dem Vorstand des Westendorfer Schützenvereins gern zur Einsicht zur Verfügung. Die Besonderheit bei diesem Cassabuch liegt jedoch in einem handgeschriebenen Vermerk auf dem Innendeckel des Buches: "Der Schützenverein Westendorf besteht seit 1848. Bis 1888 war er ein Schützenkorps, von da ab ein Verein."
Der Schützenverein Westendorf hatte diese Unterlagen notariell zu prüfen, um eine Namensänderung im Vereinsregister des Amtsgerichts Walsrode zu erreichen, denn bis dahin nannte man sich noch Schützenverein Westendorf von 1868.

Die Westendorfer Schützen freuten sich zwar über diese neue Erkenntnis ihrer alten langjährigen Vereinsgeschichte, aber man hatte das 125-jährige Jubiläum im Jahre 1973 verpaßt. Nun ist es bei Vereinen und insbesondere im deutschen Schützenwesen üblich, dass jedes volle Vierteljahrhundert des Vereinsbestehens festlich begangen wird, soweit es die Umstände zulassen. So planten die Westendorfer Schützen, mit dem tatsächlich 140-jährigen Bestehen die Nachfeier zum 125-jährigem Jubiläum zu verbinden. Dieses Doppeljubiläum fand 1988 wieder am Gründungsort von 1953 im Park des ehemaligen Westendorfer Schlosses statt.

Laut satzungsgemäßen Auftrag pflegt und förderte der Schützenverein Westendorf den Schießsport, das Spielmannszugwesen, die Jugend-und Seniorenarbeit sowie das gesellige Zusammenleben aller Vereinsmitglieder und ihrer Familienangehörigen, ohne jeglichen politischen Hintergrund. In diesem vorgegebenen Rahmen entwickelte sich eine sehr aktive Breitenarbeit.

Alle Vereinsfeste wurden, bis auf wenige Ausnahmen, bis 1989 im Saal der Gastwirtschaft "Zur Erholung" durchgeführt. Die Schießwettbewerbe wurden in der warmen Jahreszeit auf dem Sommer-Schießstand im Freien veranstaltet. Im Winter wurde ein Saalschießstand eingerichtet.

Mit Erreichen der Altersgrenze unserer Vereinswirtin Anny Ahrens übernahm die Gastwirtschaft "Unter den Linden" mit Ilse Cherouny zunächst die Schützenbälle, deren Nachfoger, die Familie Geis, später im umbenannten "Landhaus Alexander" alle Vereinsfeste. Seit 1995 finden die Generalversammlungen im wiederum umbenannten "Landhaus Beri" statt. Alle Schießveranstaltungen werden seit 1990 gemeinsam mit dem Dorfmarker Schützenkorps im Schützenhaus am Badeteich, einer der besten schießsportlichen Anlagen im Altkreis Fallingbostel, durchgeführt. Auch der Schützenball wird seit 1992 von beiden Dorfmarker Schützenvereinen gemeinsam im gut besetzten "Deutschen Haus" oder im Gasthaus "Zur Post" gefeiert.
Die Verlegung des Westendorfer Schützenfestes - nach Absprache mit der Stadt Fallingbostel und den zuständigen örtlichen Stellen - als Zeltfest auf dem Dorfmarker Marktplatz wurde von der Dorfmarker Bevölkerung sehr begrüßt.

1955 Gründung der Schießgruppe

1955 Gründung des Spielmannszuges

1967 Gründung der Damenschießgruppe

1967 Gründung des Jugendspielmannszuges

1969 Eintragung in das Vereinsregister

1979-1995 Volkstanzgruppe"Westenderper Danzdeel"

1979-1983 Seniorennachmittage für über 60 Jahre alte Mitglieder

1981 Aufnahme von Altpapiersammlungen

1983 Gründung des Nachwuchsspielmannszuges

1988 Gründung des "Westendorfers Seniorenclubs"

               

Die sagenumwobene alte Westendorfer Schützenkette....

Gerüchte gab es und abenteuerliche Geschichten. Es hieß sie wäre 1945 in den letzten Kriegstagen durch Flüchtlinge nach Westdeutschland "verschleppt worden". Name und Adresse seien bekannt, aber es bestände absolute Geheimhaltungspflicht.
 
Die glaubwürdigste Version lautet so:

Nach der Besetzung Dorfmarks im April 1945 hat das Nachkommando, wie bei allen Kriegshandlungen, erst einmal geplündert, so auch bei Klocken-Karl den Schmucktresor. Günter Michaelis stromerte danach, wie alle Jungen, herum, es könnte ja bei den Engländern Zigaretten oder Schokolade geben. Bei solch einem Besuch fand er einen echt silbernen Königsorden von Fritz Meyer aus dem Jahre 1913. Dieser Orden hängt heute wieder an der Westendorfer Schützenkette.